Fachkräftesicherung / Bildung im Strukturwandel
Der Strukturwandel, also die „3Ds“ – Digitalisierung, demografischer Wandel und Dekarbonisierung – beeinflussen maßgeblich die Fachkräftesituation in Deutschland. Angesichts des demografischen Wandels verstärkt sich die Dringlichkeit, Fachkräfte auszubilden, zu halten sowie anzuwerben. Digitalisierung und Dekarbonisierung bringen veränderte Qualifikationserfordernisse mit sich. Die Verringerung von Passungsproblemen auf dem Ausbildungsbildungsmarkt gewinnt ebenso an Bedeutung wie die zielgerichtete und passgenaue Qualifizierung und Weiterbildung von Fachkräften sowie die Erschließung von bislang wenig berücksichtigten Zielgruppen als zukünftige Fachkräfte. Auf kommunaler Ebene stellt die Fachkräftesicherung ein Querschnittsthema dar, das von vielen Bereichen – von der Wirtschaftsförderung über die Sozial- und Jugendhilfe bis hin zum Bildungsbereich – bearbeitet wird. Kommunen stehen miteinander im Wettbewerb, um als attraktive Lebens- und Wirtschaftsstandorte Fachkräfte sowie Unternehmen anzuziehen. Eine gut ausgestaltete kommunale Bildungslandschaft stellt in diesem Zusammenhang einen Wettbewerbsvorteil dar. Zugleich ermöglicht Bildung und Lebenslanges Lernen im Strukturwandel den Menschen vor Ort, sich kontinuierlich an die Gegebenheiten und Veränderungen der Arbeitswelt anzupassen.

Kommunen haben vielfältige Optionen, um auf die Fachkräftesicherung vor Ort einzuwirken, wobei Bildung der zentrale Schlüssel ist. Mittels eines datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements (DKBM) können auf Grundlage eines Fachkräftemonitorings kommunale Fachkräftestrategien entwickelt sowie Bildungsbedarfe passgenau ermittelt werden. Gerade in den Bereichen der Berufsorientierung, beim Übergang Schule-Beruf sowie bei der Weiterbildung von Fachkräften und der Erschließung bislang wenig berücksichtigter Zielgruppen als potenzielle Fachkräfte besteht Gestaltungsspielraum zur Steuerung der kommunalen Bildungslandschaft.
Relevanz für Brandenburg
- Der demografische Wandel verstärkt Fachkräfteengpässe auch in Brandenburg. Die demografischen Entwicklungen im Land Brandenburg zeigen, dass die Bevölkerung im Erwerbsalter bis 2030 im Schnitt um circa 7 Prozent zurückgehen wird. Periphere Regionen werden stärker betroffen sein als berlinnahe Landkreise.
- Zuwanderung ist ein Weg, um die Folgen von Fachkräftemangel abzumildern. Eine ehrliche Willkommenskultur und passende Integrationsangebote auf kommunaler Ebene sind dafür essenziell.
- Knapp zwei Drittel aller Industriebetriebe in Brandenburg sind kleine und mittelständische Unternehmen, die ihren Fachkräftebedarf vorwiegend über den regionalen Arbeitsmarkt decken. Passende Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote sind von entscheidender Wichtigkeit in diesem Zusammenhang.
- Ein chancengerechter Zugang zu Bildung kann einem Fachkräftemangel entgegenwirken. Wie in anderen Teilen Deutschlands, so gibt es ebenso in Brandenburg Nachholbedarf bei der Gestaltung von chancengerechten Zugängen. Ein Nachsteuern kann helfen, um Facharbeiterlücken über die Erschließung aller Begabungsreserven zu schließen.
- In der Lausitz findet ein fundamentaler Strukturwandel statt. Hier hat das Thema Fachkräftesicherung im Hinblick auf die sich wandelnden Anforderungen des regionalen Arbeitsmarktes eine besondere Bedeutung.
Beispiele für die Bearbeitung der Fachkräftesicherung im Rahmen des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements (DKBM)
Übergang Schule-Beruf und Berufsorientierung
Bei der Gestaltung des Übergangs Schule-Beruf kann das DKBM auf vielfältige Weise wirken. So ist beispielsweise im Rahmen des Bildungsmonitorings eine Analyse des Übergangssystems sowie der beruflichen Ausbildungslandschaft möglich. Darüber hinaus kann das Bildungsmanagement eine koordinierende Rolle in Arbeitskreisen und Netzwerken, beispielsweise zur beruflichen Orientierung übernehmen. Folgende Orientierungsfragen können zur Analyse und Steuerung des Übergangs Schule-Beruf und der kommunalen Ausbildungslandschaft hilfreich sein:
- Gibt es bereits Netzwerke zur Koordination und Steuerung von Arbeitskreisen? Wie lassen sich hierbei ggf. Doppelstrukturen vermeiden?
- Die Zahl der Akteur*innen im Bereich Berufsorientierung und Übergang Schule-Beruf ist hoch. Werden mögliche Netzwerkpartner*innen von Sozial- und Jugendämtern, über die Wirtschaftsförderung, die Agentur für Arbeit, bis hin zu den Kammern, den Unternehmen und weiteren im Bereich der Berufsorientierung und des Übergangs relevanten Akteur*innen mitgedacht? Wie können Jugendliche und junge Erwachsene selbst einbezogen werden?
- Gibt es neben der Analyse der Angebote, ihrer Nutzung und der erlangten Qualifikationen in der beruflichen Ausbildung weitere Faktoren auf kommunaler Ebene, die für das Bildungsmonitoring relevant sein könnten? Zum Beispiel Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt oder die Situation von jungen Menschen ohne Abschluss, sog. NEETs?
Weiterbildung
Berufliche Weiterbildung ist essenziell, um zukünftige Fachkräftebedarfe bedienen zu können. Mittels eines gezielten Weiterbildungsmonitorings lassen sich kommunale Weiterbildungsbedarfe umfassend analysieren und die kommunale Weiterbildungslandschaft entsprechend steuern. Hierbei sollte neben den konkreten Bedarfen auch die strukturellen Rahmenbedingungen vor Ort berücksichtigt werden. Folgende Orientierungsfragen können zur Analyse und Steuerung der kommunalen Weiterbildungslandschaft hilfreich sein:
- Besteht ein Überblick über die kommunal und regional verfügbaren Weiterbildungsangebote sowie Weiterbildungsträger? Wird zur Erfassung der Weiterbildungsangebote auch das nationale Online-Portal für berufliche Weiterbildung „mein NOW“ der Bundesagentur für Arbeit berücksichtigt?
- Sind die Weiterbildungsbedarfe der Unternehmen vor Ort und deren zukünftige Qualifikationserfordernisse bekannt?
- Wie lassen sich die Angebote der kommunalen Weiterbildungslandschaft transparent, übersichtlich und zielgruppengerecht, z.B. in einem kommunalen Bildungsportal darstellen? Erfolgen Absprachen mit der regionalen bzw. kommunalen Wirtschaftsförderung, um etwaige Doppelstrukturen zu vermeiden?
- Erfolgt, beispielsweise über Bildungskonferenzen ein partizipativer Prozess, bei dem alle relevanten verwaltungsinternen und -externen Akteur*innen eingebunden werden?
Weitere Informationen zu Fachkräftesicherung als Thema des kommunalen Bildungsmonitorings finden Sie auf der Themenseite Fachkräftesicherung der Fachstelle kommunales Bildungsmonitoring (KOSMO).
Material und Praxisbeispiele
Material
Fachkräftesicherung in Bildungskommunen: Herausforderungen und Handlungsfelder
Der Überblicksbeitrag, der sich an Einsteiger*innen in das Thema richtet, beleuchtet, wie das datenbasierte kommunale Bildungsmanagement für die…
„Wir wollen miteinander statt übereinander reden“
Mit einem Monat der politischen Bildung hat die Doppelstadt Frankfurt (Oder) und Słubice ein Zeichen für Demokratie gesetzt….
BWP 1/2026: Fachkräftepotenziale
Diese BWP-Ausgabe richtet den Blick auf Fachkräftepotenziale und geht der Frage nach, was heute zu tun ist, um…
Praxisbeispiele für kommunale Steuerung
Land Brandenburg:
Veranstaltungen
4. Frankfurt-Słubicer Bildungsforum
23. Sep. 2021 10:00 – 16:00 | Konzerthalle Frankfurt (Oder)
In diesem Bildungsforum waren die Berufliche Orientierung und Berufsausbildung die Leitthemen. Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den Themen Nachbarsprache,…
Fachtag – Standortfaktor Bildung
15. Juni 2023 | Seminaris SeeHotel | Potsdam
„Schließt der Untertitel am Ende des Tages mit einem Fragezeichen oder einem Ausrufezeichen?“, mit dieser Fragestellung eröffnete Dr….
1. Entwicklungsforum Fachkräftesicherung
10. Juli 2024 10:00 – 16:15 | Festsaal im Alten Rathaus | Fürstenwalde
Am 10. Juli 2024 fand das erste Entwicklungsforum der Regionalen Entwicklungsagentur für kommunales Bildungsmanagement (REAB) Brandenburg im Festsaal…
3. Bildungskonferenz Landkreis Oder-Spree
08. Nov. 2024 | Europaschule Oberstufenzentrum | Fürstenwalde
Die dritte Bildungskonferenz in Oder-Spree diskutierte Berufsorientierung, Fachkräftesicherung und Ausbildungsabbrüche mit Fokus auf praxisnahe Lösungen.
2. Entwicklungsforum Fachkräftesicherung
18. Nov. 2024 09:30 – 14:00 | Frankfurt (Oder)
11.10.2024 | Frankfurt (Oder) | Rathaus
Kurzinterviews zum Thema
Akteur*innen und Netzwerke im Land Brandenburg
Es gibt zahlreiche Akteur*innen, die sich an unterschiedlichen Schnittstellen mit dem Thema Fachkräftesicherung beschäftigen.
- Wirtschaftsförderung Brandenburg GmbH
- Betriebliche Begleitagentur
- IQ Netzwerk Brandenburg
- Netzwerkbüro Bildung in der Lausitz
- Mentoringprogramm VerAPlus
- Landesprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf“
- Regionale Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT in Brandenburg
Das Thema „Fachkräftesicherung / Bildung im Strukturwandel“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Bildungskommune“ von folgenden Kommunen in Brandenburg bearbeitet:
- Kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder)
- Kreisfreie Stadt Cottbus/Chóśebuz
- Landkreis Oder-Spree
- Landkreis Spree-Neiße/Sprjewja-Nysa
Kontakt
Stefanie Kraus
FACHBERATERIN
für Fachkräftesicherung & Integration
Tel.: 0331 – 7048 8309
E-Mail schreiben


