Integration durch Bildung
Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind aus verschiedenen Gründen nach Deutschland migriert, haben unterschiedliche Voraussetzungen und Perspektiven. Manche sind hierher geflohen, haben Asyl beantragt oder sind wegen einer Arbeit oder einer Ausbildung zugewandert, andere wiederum sind Kinder oder Enkelkinder von eingewanderten Personen. Die Bereitstellung von Bildungsangeboten für Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist eines der zentralen Instrumente für eine gelingende Integration, die Teilhabe in Form von Zugangs- und Mitwirkungsteilhabe zum Ziel hat. Auf kommunaler Ebene sind zahlreiche Akteur*innen aus der Kommunalverwaltung, von Bildungsanbieter*innen vor Ort sowie der Zivilgesellschaft durch die Bereitstellung von passgenauen Bildungsangeboten mit der Integration befasst. Um die soziale Teilhabe von neu zugewanderten Menschen zu ermöglichen, sollten die Angebote lückenlos ineinandergreifen und die Übergänge im Blick behalten werden. Damit dies gelingt, bedarf es einer koordinierten Zusammenarbeit der Akteur*innen innerhalb der kommunalen Bildungslandschaft.

Das datenbasierte kommunale Bildungsmanagement (DKBM) kann durch die gezielte Steuerung und Koordination von Bildungsangeboten für einen besseren Zugang zum Bildungssystem sorgen und so entscheidend zu mehr Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit beitragen. Eine entsprechende Netzwerk – und Akteurskoordination, die transparente Bereitstellung von Angeboten und die Organisation einer strategischen Zusammenarbeit, zum Beispiel durch ein Bildungsbüro, kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Mittels einer gut gesteuerten Sozialraum- und Angebotskoordination kann zudem Teilhabe und Lebenslanges Lernen unterstützt werden.
“Integration ist das Thema, das an jede Tür in der Verwaltung klopft, aber nirgendwo einen Schlüssel hat. Querschnittskoordination kann ihr den Generalschlüssel geben.“
Dr. Daniel März, Programmleitung FaBERID (DKJS)

Relevanz für Brandenburg
- Integration, auch Integration durch Bildung, findet vor Ort in den Kommunen und in den Bildungseinrichtungen statt.
- Im Jahr 2025 betrug der Anteil der Personen mit Einwanderungsgeschichte in Brandenburg 10,2 Prozent.
- Der Anteil der Ausländer*innen lag in Brandenburg im Jahr 2025 bei 7,4 Prozent.
- 2025 wurden im Land Brandenburg 4.677 Menschen eingebürgert. Die kreisfreie Stadt Potsdam (639) und der Landkreis Oberhavel (628) verbuchten zahlenmäßig die meisten Einbürgerungen.
- Im Schuljahr 2023/24 wurden an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in öffentlicher Trägerschaft in Brandenburg 15.433 Kinder und Jugendliche, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, unterrichtet.
Beispiele für die Integration durch Bildung im kommunalen Bildungsmanagement
Entwicklung eines strategischen Integrationskonzepts
Die Entwicklung eines strategischen Integrationskonzepts ist sinnvoll, wenn es bislang keinen Konsens in der Kommune gibt, was Integration bedeutet oder wenn ein politisches Mandat benötigt wird, um Ressourcen für Integrationsarbeit zu sichern. Die nachfolgenden Orientierungsfragen können bei den ersten Schritten zur Erstellung eines strategischen Integrationskonzepts unterstützen:
- Welche Leitbilder und Konzepte bestehen bereits, wie zum Beispiel Bildungsleitbilder oder strategische Konzepte, etwa zu Teilhabe oder Sozialplanungen? Welche Anknüpfungspunkte zeigen sich hier, auf die man aufbauen kann?
- Wie könnte der Erarbeitungsprozess eines Integrations-Leitbilds bzw. Konzepts partizipativ geplant werden?
- Wer sollte an der Erarbeitung beteiligt werden? Ein breiter Kreis an Teilnehmenden, um zum Beispiel einen öffentlichen Diskurs anzustoßen oder ein kleiner Kreis, um beispielsweise Empfehlungen an Politik und Verwaltung zu erarbeiten?
- Wie könnte eine Umsetzungsstruktur gestaltet werden? Welche Faktoren müssten berücksichtigt werden, beispielsweise mit Blick auf Berichtspflichten, Ressourcen und Verantwortlichkeiten?
Transparente Darstellung von Bildungsangeboten
Mit der transparenten Darstellung von Bildungsangeboten entsteht eine systematische Übersichtlichkeit, durch die Neuzugewanderte einen Überblick über vorhandene Bildungsangebote erhalten. Zugleich ermöglicht die Transparenz der Angebotsdarstellung den Mitarbeiter*innen von Bildungsbüros die Identifikation und Bearbeitung von Lücken und sie erhalten zudem einen umfangreichen Überblick über Anbieter*innen, was wiederum die Netzwerks- und Akteurskoordination erleichtert. Folgende Orientierungsfragen können bei der Erstellung kommunaler Bildungsportale hilfreich sein:
- Erreichen vorhandene Informationsangebote Neuzugewanderte?
- Gibt es Zugangsbarrieren? Wurden „User Journeys“ durchgeführt?
- Wer hält die Angebotsdatenbank aktuell und in welchen Sprachen?
- Werden schon bestehende Datenbanken genutzt, um Doppelstrukturen zu vermeiden?
Sozialraum- und Angebotskoordination
Auch eine gut abgestimmte Sozialraum- und Angebotskoordination kann helfen, um neu zugewanderte Familien lückenlos entlang der gesamten Bildungskette zu erreichen. Neben einer zielgruppenorientierten Gestaltung von Bildungsübergängen bedarf es erweiterter Betreuungsangebote und niedrigschwellige Begegnungsformate im Quartier. Die Einbindung von Migrant*innenorganisationen sowie die Nutzung von peer-to-peer-Ansätzen ist hier wesentlich, um passgenaue Angebote für neu zugewanderte Menschen zu schaffen. Die nachfolgenden Orientierungsfragen können helfen, sich einer Sozialraum- und Angebotskoordination zuzuwenden:
- Gibt es ein systematisches Übergangsmonitoring von neu zugewanderten Schüler*innen?
- Erreichen Angebote auch neu zugewanderte Menschen außerhalb organisierter Strukturen? Sind Angebote niedrigschwellig gestaltet?
- Gibt es Betreuungslücken?
- Werden Mentoringprogramme genutzt?
Weitere Informationen zu Gestaltungsspielräumen des kommunalen Bildungsmanagements bei der Bildungsintegration erhalten Sie in der Broschüre „Kommunale Gestaltungsräume strategisch nutzen“ der Fachstelle Bildung | Entwicklung | Raum | Integration | Demokratie (FaBERID) der DKJS, die Teil der Transferinitiative kommunales Bildungsmanagement ist.
Wie kann Bildungsteilhabe gelingen?
Mehrere Aspekte tragen zu einer erfolgreichen Bildungsteilhabe bei. Interkulturelle Bildung und Sensibilität der Aufnahmegesellschaft erleichtert den neu zugewanderten Personen das Ankommen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, Menschen mit Einwanderungsgeschichte und Vertreter*innen von Migrant*innenorganisationen in Beiräte, Arbeitsgruppen oder Partizipationsformate sowie bei der Gestaltung von Bildungsangeboten einzubinden. Zudem sollte Mehrsprachigkeit als Ressource betrachtet werden. Hierbei sollte beachtet werden, alle Muttersprachen gleichwertig zu betrachten.
“Mehrsprachigkeit wird hierzulande in der Regel ein größerer Wert beigemessen, wenn es Englisch, Spanisch, Russisch oder Französisch ist. Wenn die Herkunft- oder Erstsprache jedoch positiv besetzt und als Ressource erlebt werden kann, könnten wir auch die Vielfalt leichter zusammenbringen.“
Diana Gonzalez Olivo, Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg

Material und Praxisbeispiele
Material
Wissensbaukasten Integration: Kommunale Gestaltungsräume strategisch nutzen
Wie kann Integration durch Bildung vor Ort wirksam gestaltet werden? Das neue FaBERID-Impulspapier „Kommunale Gestaltungsräume strategisch nutzen“ gibt…
Zivilgesellschaft und Kommune. Gemeinsam Bildungslandschaften gestalten
Die Publikation zeigt, wie zivilgesellschaftliche Akteur*innen gemeinsam mit Kommunen Bildungslandschaften gestalten – mit Praxisbeispielen, Kooperationen und datenbasiertem Bildungsmanagement…
Interview mit Jennifer Diehl, Leiterin der Ausländer- und Asylbehörde, zur digitalen Plattform welcome-mittelsachsen.de
Die REAB Mitteldeutschland sprach mit Jennifer Diehl, Leiterin der Ausländer- und Asylbehörde, die die Plattform welcome-mittelsachsen.de von Anfang…
Praxisbeispiele für kommunale Steuerung
Land Brandenburg:
- Kommunales Integrationszentrum, kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder)
- Vernetzung von Bildungsakteur*innen durch ein Quadratkilometer Bildung, Potsdamer Stadtteil Schlaatz
- Umsetzung des ESF+ Bundesprogramms „BIWAQ“, Stadt Cottbus/Chóśebuz
- Projekt „LDS integriert“, AWO Brandenburg Süd
- Migrationsmonitoring, Landeshauptstadt Potsdam
Veranstaltungen
9. Spitzengespräch zum kommunalen Bildungsmanagement
25. Sep. 2025 15:00 – 26. Sep. 2025 13:00 | Schloss & Gut Liebenberg im Löwenberger Land
Am 25. und 26. September 2025 luden wir wieder zu einem fachlichen Austausch im Rahmen des 9. Spitzengesprächs…
Entwicklungsforum Integration und Bildung
07. Mai 2026 09:30 – 16:30 | Stadthaus Cottbus
Wenn über 60 Teilnehmende aus Brandenburger Kommunen, Ministerien und Organisationen zu einem Entwicklungsforum erscheinen, dann muss das Thema…
Kurzinterviews zum Thema
Akteur*innen und Netzwerke im Land Brandenburg
- Betriebliche Begleitagentur bea Brandenburg
- Bündnis für Brandenburg
- Dachverband der Migrant*innenorganisationen in Ostdeutschland
- Integrationsbeauftragte des Landes und der kommunalen Ebene
- Jugendmigrationsdienste in Brandenburg
- KAUSA-Landesstelle Brandenburg
- Koordinierungsstelle Gesellschaftlicher Zusammenhalt/ Tolerantes Brandenburg
- Migrantische Organisationen in Brandenburg
- Netzwerk IQ „Integration durch Bildung“
- Projekt „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ (IHK und HWK)
- Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration, Demokratie (RAA)
- Welcome Center in Brandenburg
- WFBB – Willkommen in Brandenburg
Das Thema „Integration“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Bildungskommune“ von folgenden Kommunen in Brandenburg bearbeitet:
Kontakt
Stefanie Kraus
FACHBERATERIN
für Fachkräftesicherung & Integration
Tel.: 0331 – 7048 8309
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